
Wenn man die Schifferin Steffie kennenlernt, merkt man sofort: Dieses Leben auf dem Wasser ist für sie nicht nur ihre Arbeit. Es ist ihre Leidenschaft. Gemeinsam mit ihrem Partner Jan ist sie seit 2017 Besitzerin der Fleur, einem kleinen, charmanten Schiff mit Platz für gerade einmal 20 Gäste.
„Es ist ein sehr familiäres Gefühl an Bord“, erzählt sie mit einem Lächeln. „Viele Gäste reisen als Fremde an und gehen als Freunde wieder nach Hause.“
Doch was macht die Fleur so besonders? Steffie war zu Gast in unserem Podcast und hat uns einen lebendigen Einblick gegeben, was Gäste auf einer Reise mit der Fleur erwartet.

Die Fleur – klein, fein, familiär
Die Fleur ist kein schwimmender Palast, sondern ein bewusst klein gehaltenes Premium-Schiff. „Wir haben nur zehn Kabinen, also maximal 20 Gäste. Mehr geht nicht, und mehr wollen wir auch nicht.“
An Bord sind immer zwei Tourguides dabei. „Selbst wenn die Gruppe kleiner als 16 Personen ist, teilen wir sie auf. Das ist für uns ein kleiner Luxus, und für die Gäste ein großer Vorteil. So kann jeder die Gruppe wählen, die zu seinem Tempo passt.“
Das Schiff wurde speziell für die engen Schleusen in Frankreich gebaut: „Links und rechts habe ich ein paar Zentimeter, vorne und hinten einen halben Meter. Mehr nicht. Spätestens in der ersten Schleuse verstehen die Gäste dann, warum die Fleur so klein ist“, lacht Steffie.

Ein internationales Publikum
Die Fleur zieht Gäste aus aller Welt an: Amerikaner, Kanadier, Australier und im Sommer viele Europäer, darunter auch Deutsche. Die Mischung macht es spannend. „Es ist einfach schön zu sehen, wie Menschen aus ganz unterschiedlichen Kulturen zusammenfinden“, erzählt Steffie.
Ihr größter Erfolg: „Ich hatte schon oft Gäste, die sich bei uns an Bord kennengelernt haben und dann ein Jahr später gemeinsam wiedergekommen sind. Das ist doch wunderbar!“

Reisen mit der Fleur – wohin geht’s?
Das Jahr beginnt für die Fleur im Frühjahr in Holland, mit den berühmten Tulpenreisen. Windmühlen, Blumenfelder, Wasserwege – „sozusagen die Highlights von Holland“, wie Steffie sagt.
Danach geht es Richtung Belgien und Frankreich:
- Amsterdam–Brügge in 8 Tagen.
- Brügge–Paris in 15 Tagen.
- Paris–Montargis oder zurück, jeweils 8 Tage.
Und ab 2026 steht eine ganz neue Route auf dem Programm: von Brügge nach Abbeville, entlang der Somme, bis ans Meer. „Wir waren gerade dort, haben mit dem Departement gesprochen und die Radrouten getestet. Google Maps reicht da nicht zum Planen aus. Man muss die Strecken wirklich selbst fahren, um zu sehen, was funktioniert.“

Der Alltag an Bord: Entschleunigung pur
Wer auf der Fleur eincheckt, spürt schnell: Hier geht es anders zu als auf großen Kreuzfahrtschiffen. Der Tag ist klar strukturiert – aber nie hektisch:
- Frühstück um 8 Uhr (Buffet mit frischem Brot, Müsli und allem, was dazugehört – plus Lunchpaket zum selbst Zusammenstellen).
- Start der Fahrradtour um 9 Uhr – in einer kleinen Gruppe, flexibel in Länge und Tempo.
- Rückkehr an Bord am Nachmittag.
- Abendessen um 18:30 Uhr – frisch gekocht, drei Gänge, gemeinsames Genießen.
„Wir haben kein Entertainmentprogramm“, erklärt Steffie. „Aber die Gäste dürfen jederzeit ins Steuerhaus kommen, mir beim Fahren zuschauen oder einfach auf dem Vordeck sitzen. Manche bleiben stundenlang.“ Das klingt nach echter Entschleunigung. Und genau das ist der Kern des Erlebnisses.

Kulinarik mit Herz

Kleine Gruppen, große Erlebnisse
Warum entscheiden sich so viele Reisende für die Fleur? Steffie fasst es treffend zusammen: „Mit 20 Gästen ist die Gruppe so klein, dass man wirklich anhalten kann, wenn jemand ein schönes Foto machen möchte. Das geht bei Busreisen mit 200 Leuten nicht.“
Und weil die Gruppen sich täglich neu mischen, entstehen immer wieder neue Begegnungen. „Wir achten auch darauf, dass niemand alleine bleibt – manchmal stellen wir die Tische einfach um, damit die Gäste leichter ins Gespräch kommen.“
Wenn nicht alles nach Plan läuft …
Natürlich läuft nicht immer alles glatt – Schleusen können gesperrt sein, Wasserstände zu hoch oder zu niedrig. Aber auch das gehört zum Leben an Bord.„Letzten Sommer konnten wir nach einer Flut plötzlich nicht weiterfahren. Also haben wir die Tour kurzerhand neu geplant, mit Bus, Zug und Fahrrad. Und abends haben wir Quizabende veranstaltet. Am Ende war es ein tolles Erlebnis, das alle zusammengeschweißt hat.“

Fazit: Reisen, die verbinden
Wer mit der Fleur reist, erlebt nicht nur eine wunderschöne Kombination aus Radfahren und Schifffahrt. Man erlebt auch Nähe: zur Crew, zu den Mitreisenden und zu den Regionen, die man entdeckt.
„Es geht nicht darum, von Highlight zu Highlight zu hetzen“, sagt Steffie. „Sondern darum, wirklich einzutauchen, das Tempo zu drosseln, die kleinen Dinge wahrzunehmen. Genau das macht diese Reisen so besonders.“ Kurz gesagt: Auf der Fleur findet man keine große Show, sondern echte Begegnungen, liebevolle Details und das Gefühl, Teil einer kleinen, schwimmenden Familie zu sein.
