Nördlich von Sizilien, mitten im Tyrrhenischen Meer, liegen die Liparischen Inseln. Sie werden auch Äolische Inseln genannt, nach dem griechischen Gott des Windes. Die kleinen Eilande sind vulkanischen Ursprungs, und jede von ihnen hat ein eigenes Gesicht: mal rau und schwarz gezeichnet, mal grün und sanft geschwungen. Zusammen bilden sie einen Archipel, der ebenso eigenwillig wie elegant wirkt.
Reisebloggerin Jessica de Korte begab sich auf Entdeckungstour durch diese besondere Inselwelt. Sie geht an Bord eines umgebauten hölzernen Fischerboots, auf dem eine sizilianische Familie Gastgeber ist. An Deck stehen E-Bikes bereit. Eine Woche voller Bewegung und Abwechslung liegt vor ihr: Segeln, Radfahren und Wandern wechseln sich ab – immer im Takt von Wind, Wetter und Meer. Die Äolischen Inseln zeigen sich dabei als lebendige Landschaften, geformt von Feuer und Wasser, Geschichte und Mythologie.
Planen Sie Ihre Reise Sizilien-Tour ansehen
Stromboli: Erste Begegnung mit dem Feuer
„Wow, Lava!“, ruft ein Mitreisender begeistert, als glühendes Gestein in die Luft schießt. Der Berg grollt, fast so, als sei er erzürnt. Wer die Äolischen Inseln besucht, kommt an Stromboli nicht vorbei. Seit Jahrtausenden schleudert dieser aktive Vulkan regelmäßig Lava und Asche in den Himmel.
Aus der Nähe wirkt dieses Naturschauspiel gleichermaßen beeindruckend wie leicht unheimlich. Man spürt, dass hier eine Kraft am Werk ist, die sich nicht kontrollieren lässt. Kein Wunder, dass die Griechen die Inselgruppe nach Aiolos benannten, dem Hüter der Winde. Die Rauchfahnen über Stromboli sollen Seefahrern einst als Wegweiser gedient haben.

An Bord bei einer sizilianischen Crew
Eine Woche lang reise ich auf der Sundial, einem traditionellen türkischen Fischerboot, das zu einem komfortablen kleinen Hotelschiff mit sechs Kabinen umgebaut wurde. Die Crew ist eine Familie: Vater Salvatore Taranto, geboren auf der Insel Salina, sein Sohn Angelo, ein kräftiger Matrose im weißen T-Shirt, und Tochter Vanessa, die in der kleinen Kombüse sizilianische Spezialitäten zubereitet.
Tourguide Nicolas zeigt uns die Inseln und erzählt ihre Geschichten. An Bord herrscht eine fast familiäre Atmosphäre: barfuß oder auf Socken über das Holzdeck gehen, traditionelle Keramikfliesen an den Kabinentüren, dazu jeden Tag frisch gekochte Mahlzeiten. Mal gibt es Pasta Bolognese, mal frischen Fisch mit Caponata, einem geschmorten Gemüsegericht.
Die Halbinsel Capo di Milazzo
Unsere Reise beginnt in Milazzo, einer Hafenstadt im Nordosten Siziliens. Von hier aus drehen wir zunächst eine Runde über die schmale Halbinsel Capo di Milazzo. Der Küstenweg windet sich nach oben, doch dank der E-Bikes kosten die steilen Anstiege kaum Mühe.
So bleibt der Blick frei für das tiefblaue Tyrrhenische Meer, dessen intensive Farbe fast unwirklich wirkt, so als hätte jemand sie für eine Postkarte nachkoloriert. Die Äolischen Inseln liegen vor uns wie riesige Schildkröten im Wasser. Tourguide Nicolas zeigt hinaus aufs Meer: „Dort liegt Vulcano, die größere Insel ist Lipari, und die zwei Gipfel dahinter gehören zu Salina.“
Zum Abschluss springe ich in die Piscina di Venere, ein natürliches Felsenbecken mit kristallklarem Wasser. Ein erster Vorgeschmack die Reise, die vor mir liegt.

Ein schwimmendes Hotel mit E-Bikes
Sobald die Sundial den Hafen verlässt, stellt sich ein anderer Rhythmus ein. Langsames Dahingleiten, das sanfte Schaukeln des Wassers, das Pfeifen des Windes. Das Wetter kann die Route jederzeit beeinflussen, erklärt Matrose Angelo: „Früher war das Meer ruhiger. Durch den Klimawandel müssen wir die Vorhersagen genau beobachten.“
Auf einem Schiff ist man den Elementen ausgeliefert. Ich spüre, wie sich der Rumpf wie eine Schaukel bewegt. Gegen aufkommende Seekrankheit hilft vor allem eines: hinaus an Deck gehen, sich hinlegen, in den Himmel schauen – und abwarten, bis das flaue Gefühl verschwindet.

Salina: Die grüne Insel
Salina ist die grünste Insel des Archipels. Eukalyptusbäume, Palmen und Akazien klammern sich an die schmale Küstenlinie. Mit dem E-Bike fahre ich durch Serpentinen, eine spektakuläre Aussicht folgt der nächsten.
Eine Eidechse huscht hinter einem meterhohen Kaktus davon, im Wasser dümpeln Segelboote. Plötzlich endet das Land abrupt im Fischerdorf Pollara. Hier stürzte einst ein Teil des alten Vulkankraters ins Meer und formte bis zu zweihundert Meter hohe Klippen.
Unten liegt Balate di Pollara, ein natürliches Amphitheater aus Felsen. Früher gruben Fischer hier Höhlen in den Stein, um darin ihre Boote unterzubringen.
Die beste Granita: ein sizilianisches Ritual
Filmliebhaber erkennen die Umgebung vielleicht aus Il Postino (1994), in dem Massimo Troisi einen Postboten spielt, der durch die Begegnung mit einem Dichter zur Poesie findet.
Dank der elektrischen Unterstützung lassen sich selbst die steilsten Anstiege der Inseln bewältigen, ohne außer Atem zu geraten. So bleibt genug Zeit für Pausen. Tourguide Nicolas weiß genau, wo es die beste Granita gibt. Bei Da Alfredo in Santa Marina probiere ich nach einem erfrischenden Bad im Meer das halbgefrorene, süße Getränk, das untrennbar zu Sizilien gehört.

Lipari: Stadtmauern und Kulturgeschichte
Nach einer kurzen Überfahrt taucht Lipari am Horizont auf, die größte der Äolischen Inseln. Während ich in der Sonne döse, ruft plötzlich jemand „Delfine!“. Gerade noch rechtzeitig sehe ich einen von ihnen aus dem Wasser springen.
Die Sundial besitzt zwar Segel, doch aufgrund der traditionellen Technik wird fast immer mit Motor gefahren. So nähern wir uns rasch den mächtigen Stadtmauern von Lipari. An Land offenbart sich eine vielschichtige Geschichte: Griechen, Römer, Araber und Normannen haben hier ihre Spuren hinterlassen. Das Museo Archeologico Eoliano erzählt von dieser kulturellen Vielfalt.
UNESCO-Welterbe Äolische Inseln
Durch enge Gassen mit Restaurants und kleinen Geschäften spaziere ich hinauf zur Burg. Oben bietet sich ein weiter Blick über den Hafen, wo eine weiße Kirche leuchtend vor dem tiefblauen Wasser steht.
Mit dem E-Bike geht es weiter entlang einer felsigen Küste. Zwischen den schwarzen Stränden liegen helle Steinchen. Überreste der letzten Ausbrüche. Die Spiaggia Bianca verdankt ihren Namen dem weißen Bimsstein, der hier bis 2007 abgebaut wurde. Das Ende des Bergbaus war eine Voraussetzung für die Anerkennung der Inseln als UNESCO-Welterbe. Nicolas hebt ein Stück Bims auf: „Unter der Dusche eignet sich das hervorragend zum Peeling.“

Vulcano: Schwefel und Mondlandschaften
Nach einer weiteren eindrucksvollen Überfahrt erreichen wir Vulcano, benannt nach dem römischen Feuergott. Schon im Hafen liegt ein deutlicher Schwefelgeruch in der Luft. Die Fumarolen – Öffnungen in der Erdkruste – verbreiten den Geruch fauler Eier.
Am Strand Spiaggia delle Acque Calde steigen Luftblasen aus dem Boden auf und erwärmen das Wasser auf natürliche Weise. Ein steiler Pfad führt hinauf zum Krater. Der Boden ist gelb vom Schwefel verfärbt, Rauchfahnen kräuseln sich in die Höhe. Kurz die Luft anhalten und dann werden wir mit einem grandiosen Ausblick belohnt.
Die Geschichte des Gottes Vulkanus
Ein letztes Mal schwingen wir uns auf die E-Bikes. Ich schalte die höchste Unterstützungsstufe ein und sehe, wie der Akku schneller schrumpft als erwartet. Gut, dass die Räder stets von der Crew geladen werden. Mit einem normalen Fahrrad wären diese Anstiege eine echte Herausforderung.
Ich fahre durch eine fast außerirdisch wirkende Landschaft zum Aussichtspunkt Capo Grillo. Unterwegs erzählt Tourguide Nicolas Geschichten, unter anderem über den Gott Vulkanus: „Wenn seine Frau Venus ihm untreu ist, wird er so wütend, dass man den Vulkan grollen hört.“

Der Rhythmus von Segeln und Radfahren
Nach Tagen des Segelns, Radfahrens, Essens und Schlafens an Bord fühlt sich die Sundial beinahe wie ein Zuhause an. Vanessa serviert geräucherten Schwertfisch, Garnelen und zum Dessert Cannoli mit Ricotta. Das Schiff wiegt sich sanft auf den Wellen, während die Sonne im Meer versinkt.
Der tägliche Rhythmus – morgens an Deck aufwachen, über grüne Hänge radeln, durch vulkanische Landschaften wandern, im Meer schwimmen und gemeinsam sizilianische Küche genießen – ließe sich mühelos noch Wochen fortsetzen.
Möchten Sie mehr von den Äolischen Inseln sehen? Jessica hat ihre Reise auch in einem Video festgehalten. Sehen Sie hier den vollständigen Reisebericht:
Bereit für die Reise?
Was diese Reise besonders macht, ist die Kombination aus Segeln, Radfahren und Wandern. Vom Schiff aus sehen Sie die Inseln in ihrer ganzen vulkanischen Pracht, anschließend erkunden Sie sie per E-Bike oder zu Fuß, ohne sich zu verausgaben.
Wenn das Wetter mitspielt, werden insgesamt fünf Inseln besucht: Vulcano (Radfahren und Wandern), Stromboli (Wandern), Panarea (Wandern), Salina (Radfahren) und Lipari (Radfahren). Wer die Liparischen oder Äolischen Inseln so erleben möchte wie die Einheimischen, im Einklang mit der Natur, entdeckt sie am intensivsten vom Wasser aus, mit elektrischen Fahrrädern an Bord.
Mehr erfahren? Wir beraten Sie gerne persönlich und auf Deutsch – unverbindlich und mit allen Informationen, die Sie brauchen, um Ihre eigene Boat Bike Tour zu planen. Schreiben Sie einfach eine E-Mail an info@boatbiketours.de oder rufen Sie uns an unter +49 2102 42 0655. Wir freuen uns darauf, von Ihnen zu hören!
Planen Sie Ihre Reise