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Finden Sie Ihre TourUnterwegs auf den griechischen Inseln – im Rhythmus der Ägäis: Reisejournalistin und Fahrrad-Vloggerin Jessica de Korte geht in Athen an Bord der Motoryacht Erato und nimmt Kurs auf die Saronischen Inseln und die Kykladen. Mit dem E-Bike entdeckt sie duftende Pinienwälder, jahrtausendealte Tempel und stille Buchten – und lässt sich zwischendurch von der griechischen Crew kulinarisch verwöhnen.

Vor uns liegt das offene Meer, über uns zieht eine Möwe ihre Kreise. Noch ist Athen zu sehen: ein endloses Häusermeer, das sich über die Hügel zieht und langsam am Horizont verblasst. Auf Wiedersehen, Athen! Geblieben sind nur der Wind und das leise Plätschern der Wellen am Schiffsrumpf.
Auf dem Vorderdeck stehen die E-Bikes, sicher an der Reling befestigt. Sie werden uns in den kommenden Tagen über die Inseln begleiten. Für eine Woche tausche ich den Trubel der Großstadt gegen das ruhigere Leben der Ägäis. Unsere Reise führt zu den Saronischen Inseln und in die Kykladen – dorthin, wo auch die Athener gerne dem Alltag entkommen. Mein Zuhause auf See ist die Erato, eine bordeauxrote Motoryacht aus Holz mit griechischer Crew. Kapitän Vangelis hält Kurs durch die Ägäis, während Stavros in der Kombüse bereits das Essen vorbereitet. Es dauert nicht lange, bis der verlockende Duft frisch gekochter Speisen über das Deck zieht. Boubou und Panagis wechseln zwischen Seemannsarbeit und dem Servieren unserer Mahlzeiten.
Auch meine Kabine ist überraschend gemütlich: viel Holz, weiße Vorhänge vor dem Fenster, ein eigenes Bad und sogar ein Föhn. Trotzdem verbringe ich die meiste Zeit draußen. Denn wer möchte schon unter Deck sitzen, wenn sich vor einem scheinbar endlos das Meer ausbreitet?
Auf die Tafel im Schiffssalon hat Reiseleiterin Marylu unser erstes Ziel geschrieben: Poros. Weiße und pastellfarbene Häuser schmiegen sich dicht an dicht an den Hang. Kaum sind die E-Bikes über den Steg an Land gebracht, radeln wir in Richtung der Ruinen des Poseidontempels. Schon bald windet sich die Straße bergauf. In der warmen Luft liegt Pinienduft und uns begleitet das unermüdliche Zirpen der Zikaden.
Ich lasse es ruhig angehen. Das E-Bike nimmt der Steigung ihre Schärfe und gibt mir Zeit, die Umgebung wahrzunehmen. Hinter jeder Kurve öffnet sich ein neuer Blick auf das Meer: mal leuchtet es türkis, wenig später liegt es tiefblau unter uns. Was für eine Aussicht! Verkehr gibt es kaum, nur hin und wieder kommt uns ein Auto entgegen, ansonsten haben wir die Straße fast für uns allein.
Am Tempel erzählt Marylu die Geschichte von Theseus, dem Helden, der im Labyrinth von Knossos den Minotaurus – das sagenhafte Wesen mit dem Kopf eines Stieres – besiegte. Auf seiner Rückfahrt von Kreta sollte Theseus die schwarzen Segel seines Schiffes gegen weiße austauschen, damit sein Vater Aigeus schon von Weitem erkennen konnte, dass sein Sohn noch lebte. Doch Theseus vergaß es. „Sein Vater sah die schwarzen Segel und dachte: Mein Sohn ist tot“, erzählt Marylu mit ernster Miene. Verzweifelt stürzte sich Aigeus ins Meer – und gab der Ägäis der Legende nach ihren Namen.
Am späten Nachmittag radeln wir zurück zur Erato. Die dunklen Silhouetten der umliegenden Inseln zeichnen sich gegen einen orangefarbenen Abendhimmel ab.

Am Abend ist der Tisch an Deck reich gedeckt. Gefüllte Weinblätter, Salate, Oliven und Spanakopita – herzhafter griechischer Spinatkuchen – stehen vor uns und wandern von Hand zu Hand. Am Schiffsrumpf plätschert leise das Wasser, über uns spannt sich ein tiefdunkler Himmel voller Sterne.
Gemeinsam an Deck zu essen, während das Schiff ruhig im Hafen liegt, gehört zu den schönsten Momenten der Reise. Niemand schaut auf die Uhr, niemand muss weiter. Bei gutem Essen und langen Gesprächen finden wir ganz von selbst in den Rhythmus der Inseln. Hier gilt siga-siga: langsam, langsam. Das gilt auch für unsere Route, denn in der Ägäis gibt die Natur den Takt vor. Starker Wind macht die geplante Überfahrt zu den Kykladen zunächst unmöglich. Kurzerhand ändern wir den Reiseverlauf und fahren stattdessen nach Methana, einer von Vulkanen geformten Halbinsel.
Am nächsten Morgen radeln wir zunächst über die schmale Landverbindung in Richtung Peloponnes. Olivenhaine wechseln sich mit Orangen- und Zitronenbäumen ab. In einer flachen Lagune an der Küste entdekcen wir sogar Flamingos. Nach dem Mittagessen erkunden wir Methana selbst. Der mineralreiche Vulkanboden lässt die Halbinsel erstaunlich grün erscheinen. Zwischen den Hügeln tauchen immer wieder kleine, weiß gekalkte Kirchen auf. Ihre bronzenen Glocken glänzen in der Sonne, dahinter leuchtet das Blau des Meeres.

Am nächsten Tag lässt der Wind nach und die Erato kann die mehrstündige Überfahrt zu den Kykladen antreten. Um sechs Uhr morgens legen wir ab. Eigentlich gehöre ich nicht zu den Menschen, die freiwillig bei Sonnenaufgang aufstehen. Doch sobald das Meer unruhiger wird, ist es für einen empfindlichen Magen keine gute Idee, in der Kabine zu bleiben. Also schleiche ich noch im Dunkeln aufs Vorderdeck.
Eine ausgezeichnete Entscheidung: Gemeinsam mit einem kanadischen Paar auf Hochzeitsreise erlebe ich einen beeindruckenden Sonnenaufgang. Hinter uns werden die Saronischen Inseln immer kleiner, bis sie schließlich am Horizont verschwinden. Wenig später wiegen mich die Wellen der Ägäis auf dem Vorderdeck beinahe wieder in den Schlaf. Als wir Kythnos erreichen, sortieren die Fischer im Hafen ihre Netze. Bis zum Mittagessen bleibt sogar noch Zeit für ein Bad in der benachbarten Bucht. Später radeln wir an terrassenförmig angelegten Feldern und alten Steinmauern entlang und von irgendwoher klingt das Bimmeln der Ziegenglocken.
Im Hauptort Chora lassen wir die Räder stehen und schlendern durch die steilen Gassen. Auf den Pflastersteinen haben Bewohner Blumenmotive gemalt. Die Gassen sind steil und schmal, auf die Pflastersteine haben die Bewohner Blumenmotive gemalt. Vor den weiß gekalkten Häusern stehen Töpfe voller Pflanzen, während violette Bougainvilleen über manchen Wegen ein natürliches Dach bilden. Und natürlich tummeln sich überall Katzen: auf den Stufen, unter den Stühlen und in den schattigen Hauseingängen.
Später folgt eine herrliche Abfahrt mit weitem Blick über das Meer. Manche lassen die Räder einfach laufen, andere halten zwischendurch an. Ich nehme mir Zeit – für diese Aussicht lohnt sich jede Pause.

Weiter geht es zur nächsten Insel. Gerade dieser Wechsel macht die Reise so angenehm: ein paar Stunden mit dem Rad unterwegs sein, anschließend an Bord zurückkehren, die Beine ausstrecken und vom Deck aus beobachten, wie am Horizont langsam das nächste Ziel auftaucht.
Beim Ablegen wird es plötzlich laut an Deck. Kapitän Vangelis manövriert geschickt zwischen den anderen Booten hindurch und ruft seiner Crew Anweisungen zu. Marylu bemerkt meinen überraschten Blick und lacht. „Bei Griechen klingt es schnell so, als würden sie sich streiten. Meistens ist aber alles völlig in Ordnung.“ Mittlerweile freue ich mich auf jede neue Insel – und auf die Frage, was uns dort wohl erwartet.
Kea könnte sich kaum stärker von Kythnos unterscheiden. Die Straße schlängelt sich über grüne Hügel, am Wegesrand stehen Esel und auf den Wiesen grasen Pferde. Einer meiner Mitreisenden ist Geologe. Immer wieder deutet er auf die Gesteinsschichten neben der Straße. Schiefer. „Das hier lag einmal mehrere Kilometer tief unter der Erdoberfläche“, erklärt er. „Eigentlich ist dieser Teil Griechenlands ein kleines tektonisches Labor.“ Im Dorf Ioulida erwartet uns ein Gewirr aus gepflasterten Gassen und steinernen Häusern. Nur die Wäsche, die zum Trocknen vor den Häusern hängt, verrät, dass hier überhaupt jemand wohnt. Ich höre fast ausschließlich meine eigenen Schritte auf den Treppenstufen. Und davon gibt es viele. Sehr viele.
Die steilen Wege machen das Erkunden zu Fuß durchaus sportlich. Als ich anschließend wieder auf dem E-Bike sitze, freue ich mich umso mehr über die kräftige Unterstützung des Motors. Es fühlt sich an, als würde mir ständig jemand freundlich einen kleinen Schubs geben.
Am nächsten Morgen beginnt unsere letzte längere Überfahrt nach Aegina, einer lebhafteren und dichter besiedelten Insel. Plötzlich springt direkt neben dem Schiff ein Delfin aus dem Wasser. Nur einen Moment lang ist er zu sehen, doch gerade solche unerwarteten Begegnungen bleiben in Erinnerung.

Nach einem weiteren wunderbar griechischen Mittagessen an Bord steigen wir wieder auf die Räder. Die Route führt entlang der ruhigen Nordküste zum Tempel der Aphaia, einem der am besten erhaltenen antiken Tempel Griechenlands. Unterwegs fallen mir überall die Pistazienbäume auf. Aegina ist berühmt für seine aromatischen Pistazien. Vulkanischer Boden und die Nähe zum Meer sollen ihnen ihren besonders intensiven Geschmack verleihen. Natürlich muss ich später selbst probieren, ob das stimmt.
Unser letzter kultureller Halt ist die Kirche Agios Nektarios, ein bedeutender Wallfahrtsort. Im hinteren Teil der Kirche wartet eine Reihe von Besuchern. Einer nach dem anderen tritt an die silbern eingefasste Grabstätte des heiliggesprochenen Bischofs Nektarios und küsst das Glas davor. Ich beobachte die Szene eine Weile und bin beeindruckt von der stillen Hingabe der Menschen.
Den letzten Abend verbringe ich mit einer Mitreisenden in einem Restaurant direkt am Wasser. Danach holen wir uns ein Pistazieneis und schlendern am Hafen entlang. Die Erato liegt ruhig am Kai, über ihr funkeln die Sterne. Morgen geht es zurück nach Athen. Ich würde gerne noch ein wenig länger bleiben – in diesem langsamen Rhythmus, der genügend Zeit für Landschaften, Gespräche und gutes Essen lässt.
Aufgebrochen bin ich allein. Doch nach einer Woche auf dem Rad, an langen Tischen und gemeinsam unterwegs von Insel zu Insel fühlt es sich an, als würden wir uns schon viel länger kennen. Kontaktdaten werden ausgetauscht, und bald entstehen die ersten Ideen für eine nächste gemeinsame Reise. Und zum Glück bleibt uns noch eine letzte Nacht an Bord, sanft vom Wasser gewiegt.

Jessica hat ihre Reise auch in einem Vlog festgehalten. Das Video ist zwar auf Englisch, doch die Bilder sprechen für sich. Sehen Sie sich den vollständigen Vlog an und begleiten Sie Jessica durch die griechische Inselwelt:
Mit dem Fahrrad durch kleine Inseldörfer fahren, den Blick zwischen weiß getünchten Kirchen und tiefblauem weitem Meer schweifen lassen – während Gepäck und Unterkunft ganz bequem mitreisen. Auf dieser Reise verbinden sich Bewegung und Erholung auf besonders entspannte Weise: tagsüber mit dem E-Bike unterwegs, anschließend zurück an Bord der Erato, wo die griechische Crew bereits wartet.
So lassen sich die Saronischen Inseln und die Kykladen vom Wasser und vom Fahrradsattel aus entdecken – mit genügend Zeit, unterwegs auch einmal anzuhalten, zu schauen und einfach das griechische siga-siga zu genießen.
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